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Freitag, 16. Oktober 2009

Hängen im Schacht

KRIMI TRIFFT KULTURHAUPTSTADT
Zwei Dutzend der besten Krimi-Autoren haben die Europäische Kulturhauptstadt 2010 und das Revier von Duisburg bis Dortmund durchstreift und präsentieren ihre Beutestücke: Krimis über Kohle und Koks, Morde zwischen Baldeneysee und Haus Kemnade, Leckerbissen von Pommes tot-weiß bis zur Pizza 'Ndrangheta.


* Mischa Bach mit der Story über das was man in der Essener Innenstadt und dem Westviertel sieht - und nicht hört: Asphaltgeflüster

* Jürgen Banscherus erzählt von einer eisigen Nacht in der Nähe von Haus Kemnade: Kalt

* Jacques Berndorf mit der Geschichte einer ganz großen Liebe in Dortmund: Kowalski

* Oliver Buslau weiß, welches mörderische Geschehen sich inder Wuppertaler Stadthalle ereignete: Die Wupper-Stradivari

* Volker W. Degener schreibt über einen Bochumer Polizisten, der einen Fall klärt, aber trotzdem unzufrieden ist: An diesem Montag kam er nicht

* Nina George entführt uns in die Dortmunder Nordstadt des Jahres 1961: Die Ballade von Bonnies Kleid

* Peter Gerdes gibt sich als Nordlicht zu erkennen, wenn er von einer Bootsfahrt mit Mord auf dem Baldeneysee erzählt: Essener Dauerlieger

* Brigitte Glaser meint, das Leben ist ein Film - mal Krimi, mal Comedy. Aber nicht nur im Kino dauert das Spiel 90 Minuten, auch in der Gelsenkirchener Arena: Filmriss Auf Schalke

* Henrike Heiland weiß, welche mörderischen Intrigen sich wirklich am Bochumer Schauspielhaus abspielen: Bullets Over Bochum oder: Being Robert DeNiro

* C.S. Henn weiß, dass Alter nicht vor Mord schützt und begibt sich deshalb nach Gladbeck ins Seniorenstift: Denn sie wissen immer noch nicht, was sie tun

* Wolfgang Kemmer fährt mit dem Zug nach Bochum-Dahlhausen, um abzurechnen: Rheingold

* F.K. Klimmek weiß, wie hart das Leben in Herne ist und wie man trotzdem an die Kohle kommt: Hartz 9 mm

* Edith Kneifl folgt einem Mädchen durch ein mörderisches Einkaufsparadies in Oberhausen: Rosenkavalier

* Volker König erzählt von einem mörderischen Weihnachtsspaziergang in Bottrop: Kirchgang

* Erwin Kohl geht in Mülheim zu einer mörderischen Premiere ins Freilichttheater: Die Hölle erwartet dich

* Tatjana Kruse scripted eine reality soap über die Bullen in Bochum: Plönzke und Eberfeld - Die Bochum-Cops - Episode 423: Wattenscheider Wahn

* Conny Lens schaut genau hin und erzählt was passiert, wenn man erstmal in Verdacht geraten ist in Dortmund: … dann hätte ich wenigstens was davon gehabt

* Hartmut Mechtel belauscht zwei Kommissare im Duisburger Polizeipräsidium: Dienstbesprechung

* Edda Minck weiß, wie nah in Sprockhövel Liebe und Tod zusammenliegen: Halb und Halb

* Lotte Minck schaut im Bochumer Stadion ganz genau auf die Halbzeituhr, denn wir wissen ja: Sport ist Mord. Bochumer Eigentor

* Niklaus Schmid erzählt von seinem Duisburger Schnüffler Elmar Mogge. Der entdeckt, dass Verbrechen keine Kunst ist: Entenfang

* Gesine Schulz sucht auf dem Friedhof in Essen-Schonnebeck nach einer Grabstelle und stolpert über einen Mord: Hallo Essen! oder: Grab mit Aussicht
* Klaus Stickelbroeck schickt seinen Cop dahin, wo es wirklich wehtut: nach Duisburg-Marxloh. Grüne Augen

* Karr & Wehner liefern Drogen an den Niederrhein und machen sich dann auf den Rückweg ins Revier: Der Beifahrer

Haben Sie Interesse an Autorenlesungen in Ihrer Stadt? Die Autoren von "Hängen im Schacht" kommen gern zu Ihnen!
Betrachten Sie das ruhig als Drohung ...

H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Tatort Essen:
Krimi-Spannung aus der Kulturhauptstadt

Krimi-Anthologie zur Kulturhauptstadt

»Wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Fahrkorb feststeckt und man sich unverschuldet in einer ausweglosen Situation befindet - dann ist eben 'Hängen im Schacht'«, erklärt Krimi-Herausgeber H.P. Karr aus Essen. »Und dann liegen sofort Mord und Totschlag in der Luft - die perfekte Ausgangssituation für eine Kriminalgeschichte.«

Unter diesem Motto hat H.P. Karr, bekannt durch seine mit Walter Wehner verfassten und mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichneten »Gonzo«-Romane zwei Dutzend Experten für mörderisch guten Unterhaltung zu einer Tour durchs Kulturhauptstadtgebiet zwischen Duisburg und Dortmund eingeladen. Herausgekommen ist die Anthologie »Hängen im Schacht«, die jetzt zur Buchmesse erscheint.

»Angefangen von Eifelkrimi-König Jacques Berndorf bis hin zu den Revier-Newcomerinnen Minck und Minck sind sowohl die Altmeister des Revierkrimis als auch neue Talente vertreten«, erklärt H.P. Karr. Darunter etwa der Essener Autor Volker König mit »Kirchgang«, einem Weihnachtskrimi aus Bottrop.
Von Peter Gerdes stammt die Baldeneysee-Story vom »Essener Dauerlieger« und Mischa Bach erzählt vom »Asphaltgeflüster« rund um das Berufskolleg für Gehörlose im Westviertel. Als dritte Essener Autorin steuerte Gesine Schulz »Hallo Essen!« bei. Ihre Story führt die detektivische Putzfrau Karo auf der Suche nach dem Grab einer Karl-May Figur direkt auf den Hallo-Friedhof in Schonnebeck.

Natürlich hat H.P. Karr es sich auch nicht nehmen lassen, als Teil von Karr & Wehner auch selbst eine knallharte Gangstergeschichte beizusteuern: »Der Beifahrer« ist ein junger Bursche aus dem Segeroth, der mit seinem Kollegen von der Drogenkurierfahrt nach Essen zurückkehrt.

Leseproben:
Mischa Bach: Asphaltgeflüster
Gesine Schulz: Hallo Essen!
Peter Gerdes: Essener Dauerlieger
Karr&Wehner: Der Beifahrer


H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Tatort Bochum:
Mörderische Karriere am Schauspielhaus

Story-Sammlung mit sechs Bochum-Krimis

»Ich freute mich auf New York, Chicago, Boston«, heißt es in deer Kriminalstory »Bullets over Bochum« von Henrike Heiland. »Aber wo landete ich? In Bochum.« Und da muss der junge Giorgio am Schauspielhaus auftreten. Denn seine »famiglia« meint, dass der Junge das Zeug zum Schauspieler hat. Dabei will Giorgio lieber ein eiskalter Killer sein.
Gleich sechs Mal ist Bochum Schauplatz von mörderischen Verbrechen in der neuen Ruhrkrimi-Anthologie »Hängen im Schacht«.
Der bekannte Jugendkrimiautor Jürgen Banscherus schreibt über eine mörderische Nacht bei Haus Kemnade, Wolfgang Kemmer macht den Bahnhof Dahlhausen zum Ort einer Abrechnung und auch Wattenscheid kommt nicht zu kurz: in »Wattenscheider Wahn« von Tatjana Kruse lösen »Die Bochum-Cops« einen kniffligen Fall in bester Duko-Soap-Manier: Harry und Toto lassen grüßen. Das »Bochumer Eigentor« von Lotte Minck schließlich spielt im Fussballmilieu und Volker W. Degener lässt seinen Helden im Uni-Center ermitteln.

Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und auch skurrile Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis der mörderisch guten Unterhaltung. Anfangen von Krimi-Altmeister Jacques Berndorf bis hin Edda und Lotte Minck, den aktuellen Stars des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben. Angeheuert wurden sie zum »Hängen im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Fahrkorb feststeckt und man sich unverschuldet in einer ausweglosen Situation befindet - dann ist eben 'Hängen im Schacht'«, erklärt H.P. Karr. »Und dann liegen sofort Mord und Totschlag in der Luft - die perfekte Ausgangssituation für eine Kriminalgeschichte.«

Herausgekommen dabei ein »Mordsbrevier fürs Mordsrevier«, das für den Krimifreund etwas bieten - Mordgeschichten von hart bis zart, intensive Psycho-Studien und natürlich auch Stories, in denen der revier-typische Humor zum Zuge kommt, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.

Leseproben:
Henrike Heiland: Bullets over Bochum
Volker W. Degener: An diesem Montag kam er nichtJürgen Banscherus: Kalt
Wolfgang Kemmer: Rheingold
Tatjana Kruse: Wattenscheider Wahn


H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Tatort Bottrop:
Tödlicher »Kirchgang« durchs
weihnachtliche Bottrop

Revierkrimi-Sammlung bietet spannende Unterhaltung

»Er ist vor dem ehemaligen Seilrad der Zeche Prosper I. stehen geblieben. Dunkel ragt es in den Nachthimmel« heißt es in der Kriminalstory »Kirchgang« von Volker König (Foto). »Man hat es hier aufgestellt, direkt an der Ecke von Friedrich-Ebert- und Freiherr-vom-Stein-Straße. Das ist nur wenige Minuten von ihrem Haus entfernt und darum kein guter Platz.«
Denn bei dem weihnachtlichen Spaziergang durchs verschneite Bottrop geht es um die bitterböse Geschichte einer Ehe, die womöglich in einem Mord enden wird. Wie es dazu kam und welche Folgen die Tat hat, ist nachzulesen in dem mit scharfem Blick fürs düstere Detail erzählten Bottrop-Krimi des Essener Autors Volker König aus der aktuellen Sammlung von Ruhrgebietskrimis mit dem beziehungsreichen Titel »Hängen im Schacht«, die von Herausgeber H.P. Karr zusammengestellt wurde.

Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und gelegentlich auch skurril-komische Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis der mörderisch guten Unterhaltung. Anfangen von Krimi-Altmeister Jacques Berndorf bis hin Edda und Lotte Minck, den aktuellen Stars des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben. Angeheuert wurden sie zum »Hängen im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr.

»Wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Fahrkorb feststeckt und man sich unverschuldet in einer ausweglosen Situation befindet - dann ist eben 'Hängen im Schacht'«, erklärt H.P. Karr. »Und dann liegen sofort Mord und Totschlag in der Luft - die perfekte Ausgangssituation für eine Kriminalgeschichte.«

Herausgekommen dabei ein »Mordsbrevier fürs Mordsrevier«, das für den Krimifreund etwas bietet - Mordgeschichten von hart bis zart, intensive Psycho-Studien wie die von Volker König und natürlich auch Stories, in denen der revier-typische Humor zum Zuge kommt, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.


Leseprobe: »Kirchgang«



H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Tatort Duisburg:
Detektive und Polizisten ermitteln
in Wedau und Marxloh

Storysammlung bringt drei Krimis aus Duisburg

»Bestimmt hatten mich schon die Überwachungskameras der Duisburger Haftanstalt erfasst«, überlegt Privatdetektiv Elmar Mogge, als er an der Landgerichtsstraße auf die Entlassung eines Kunstdiebes wartet. So beginnt die Kriminalstory »Entenfang« des Duisburger Autors Niklaus Schmidt - nachzulesen in der aktuellen Sammlung von Ruhrgebietskrimis mit dem beziehungsreichen Titel »Hängen im Schacht«.

Gleich dreimal ist Duisburg als Schauplatz vertreten. Klaus Stickelbroeck siedelt seine knallharte Polizeigeschichte »Grüne Augen« in Duisburg-Marxloh an. Hartmut Mechtel erzählt in »Dienstbesprechung« davon, wie sich zwei Polizisten über den Mord an einer Landtagsabgeordneten den Kopf zerbrechen, die erhängt im Landschaftspark Nord gefunden wird.

Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und skurril-komische Krimis von ausgewiesenen Profis der mörderisch guten Unterhaltung. Anfangen von Krimi-Altmeister Jacques Berndorf bis hin Edda und Lotte Minck, den aktuellen Stars des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben.

Angeheuert wurden sie zum »Hängen im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Fahrkorb feststeckt und man sich unverschuldet in einer ausweglosen Situation befindet - dann ist eben 'Hängen im Schacht'«, erklärt H.P. Karr. »Und dann liegen sofort Mord und Totschlag in der Luft - die perfekte Ausgangssituation für eine Kriminalgeschichte.«

Herausgekommen dabei ein »Mordsbrevier fürs Mordsrevier«, das für den Krimifreund etwas bieten - Mordgeschichten von hart bis zart, intensive Psycho-Studien und natürlich auch Stories, in denen der revier-typische Humor zum Zuge kommt, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.

Leseproben:
Niklaus Schmid: »Entenfang«
Klaus Stickelbroeck: »Grüne Augen«
Hartmut Mechtel: »Dienstbesprechung«


H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Dienstag, 15. September 2009

Henrike Heiland:
Bullets Over Bochum oder: Being Robert De Niro

Tatort: Bochum Schauspielhaus

Vielleicht hätten sie ihn mir nicht ausgerechnet aufs Sofa packen sollen. Ich war schon ein bisschen erschrocken, als ich meinen Regisseur da so sitzen sah, die Beine gespreizt, das Kinn auf der Brust und mit einem kleinen runden Loch in der rechten Schläfe. Die Tüte mit den Steaks fiel mir aus der Hand.
Alessandro lachte.
»Eeeh, Giorgio, Überraschung! Du behältst deinen Job!« Alessandro klopfte meinem Regisseur auf die Schulter. Der Regisseur kippte zur Seite. Lorenzo schob ihn wieder in eine aufrechte Position, und ich hob die Tüte mit den Steaks auf. »Habt ihr ihn hier …?«
Nicht, dass es einen Unterschied machen würde, aber fragen konnte man ja mal.
Die beiden strahlten. Das war Antwort genug.
Es klingelte an der Wohnungstür, und ich ließ vor Schreck wieder die Steaks fallen. Durch den Spion sah ich einen Typen, Anfang zwanzig, in einem billigen Anzug, der ihm nicht richtig passte. Er nestelte an seiner Krawatte und probierte gut gelaunte Grimassen aus.
»Gehört der zu euch, äh, uns?«, fragte ich ins Wohnzimmer. Lorenzo und Alessandro kamen zur Tür und riskierten einen Blick. Der Regisseur kippte wieder zur Seite.
»Schick ihn weg«, sagte Lorenzo leise.

weiter in: Hängen im Schacht

weitere Krimis aus Bochum:
Volker W. Degener: An diesem Montag kam er nicht
Jürgen Banscherus: Kalt
Wolfgang Kemmer: Rheingold
Tatjana Kruse: Wattenscheider Wahn

Die Autorin:
Henrike Heiland
arbeitete nach ihrem Studium der Neueren Englischen Literatur als Producerin für internationale TV-Koproduktionen bei KirchMedia in München. Heute lebt sie als freie Drehbuch- und Romanautorin in Hamburg. Von ihr wurden bereits über 100 Comedydrehbücher für Kinder und Jugendliche u.a. für das ZDF verfilmt. Im Mittelpunkt ihrer drei bisher erschienenen Kriminalromane »Späte Rache«, »Zum Töten nah« und »Blutsünde« stehen der Rostocker Hauptkommissar Erik Kemper und die Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg.
Foto: Andreas Biesenbach

Sonntag, 13. September 2009

Edda Minck:
Halb und Halb

Tatort: Sprockhövel »Darf’s ein bisschen mehr sein?« »Ach ja … so eine Scheibe Sülze ist doch schnell verputzt, nicht wahr?«, flötet Frau Schreiber. Flöt, flöt, flöt … seit ich zum ersten Mal hinter dieser Theke gestanden habe - im zarten Alter von sieben Jahren ungefähr - begleitet die Schreiber jeden ihrer Sätze mit einem Flöten. Und jetzt bin ich neunzehn, und immer noch flöt … flöt. Ich weiß nicht, was passieren muss, um ihr diese hochgezogenen Mundwinkel, die aufgerissenen Augen und den schrillen Ton endlich aus dem Gesicht zu wischen. Die anderen in der Schlange hüsteln schon und gucken verlegen auf den blitzblanken, weißen Kachelfußboden. Ich lächele zurück, knalle ihr noch eine dicke Scheibe Sülze auf die Waage und packe sie dann zu ihrer Blutwurst und dem Braten in eine Plastiktüte. »Macht sechzehnfünfzig.« Die Schreiber gibt mir einen Zwanziger und ich gebe ihr extra in vielen kleinen Münzen raus. Wenn die schon nicht selber platzt, dann wenigstens ihre Geldbörse. Mittlerweile ist die Warteschlange noch länger geworden. Keiner will es sich entgehen lassen, die trauernden Waisenkinder zu begaffen, die so tapfer ihr Erbe antreten, kaum dass ihre Eltern unter der Erde sind. Wir hatten das so abgemacht, mein Bruder und ich. Wir machen das Geschäft sofort wieder auf, hatten wir beschlossen. Von irgendwas müssen wir ja leben, wenn unsere Erzeuger mit ihrem Auto vor einen Baum gekracht sein werden. Wir sind schließlich die Traditionsmetzgerei im Ort und bevor unsere Stammkundschaft woanders einkauft, riskieren wir lieber, herzlos dazustehen, als ohne Einkommen. Also Freitag Beerdigung in aller Stille, ohne Gaffer und Kuchenabstauber, Samstag geöffnet. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass wir mit der Wiedereröffnung von Grigoleit - Wurst und Fleischwaren seit 1911 unser Ansehen auf einen Schlag verbessert haben. Plötzlich sind wir die Tapferen. Die Fleißigen. Uns wird auf die Schulter geklopft, man nickt uns aufmunternd zu, und einige hatten sich heute Früh, mitten auf der Straße, als mein Bruder den Kühlwagen entlud, zu einem: »Ach, Kinder! Eure Eltern wären stolz«, hinreißen lassen. Ha, ha, kann ich dazu nur sagen. weiter in: Hängen im Schacht  

Die Autorin: Edda Minck, stammt aus Bochum und hat mehr als 20 Jahre für Film und Fernsehen gearbeitet. Heute ist sie als freiberufliche Autorin tätig und veröffentlichte zuletzt mit ihrer Kollegin Lotte Minck, mit der sie weder verwandt, noch verschwägert ist, die erfolgreichen Maggie Abendroth-Krimis »totgepflegt« (2007), »abgemurkst« (2008) und »umgenietet« (2009). Zuletzt erschien von Edda Minck »Für kein Geld der Welt« (2009).

Freitag, 11. September 2009

Erwin Kohl:
Die Hölle erwartet dich

Tatort: Mülheim an der Ruhr

Die Mülheimer Papenbuschsiedlung ist nicht besonders groß, mit dem Wagen hat man sie über die Mühlenstraße oder dem Zehntweg in fünf Minuten passiert. Erst dem Fußgänger offenbart sich das versponnene Netz der Straßen und Sträßchen zwischen Martinstraße und dem Springweg, in dem sich selbst langjährige Anwohner nicht immer auf Anhieb zurechtfanden.
Rudi Dagel durchwanderte dieses Labyrinth seit zwei Wochen täglich. Anfangs hatte er sich immer wieder verlaufen, und hätte Justus Alt, der Regisseur der Freilichtbühne, nicht Stein und Bein geschworen, ihn hier schon zwei Mal gesehen zu haben, wäre für Dagel sicherlich eine andere Art der Freizeitgestaltung in Frage gekommen.
Seine Laune korrespondierte mittlerweile ausgezeichnet mit dem penetranten Dauerregen, den der Wetterfrosch des WDR gestern Abend heiter als »strichweise Regen« angekündigt hatte.
In den letzten Tropfen eines dieses strichweisen Regens erreichte Rudi Dagel den lang gezogenen Weg, der parallel oberhalb der Mühlenstraße verlief. Die Aussicht, weitere zwei Stunden und mindestens noch einen Regenstrich lang durch das Viertel zu wandern, ließ seine Stimmung auf den Nullpunkt sinken. Doch dann, während Dagel mit seinem inneren Schweinehund noch in knallharten Verhandlungen über »aufgeben« und »weitermachen« stand, erfasste sein Blick im düsteren Grau des strichweisen Regens einen älteren Herrn, der äußerst konzentriert in einem städtischen Abfalleimer wühlte und schließlich eine Pfandflasche ans trübe Tageslicht beförderte. Die signalgelbe Regenjacke des Alten hatte ihre besten Tage längst hinter sich, war an vielen Stellen eingerissen und verschmutzt. Als ihre Blicke sich Sekunden später trafen, war Dagel sicher. Diese murmelgroßen, zurückliegenden Pupillen, dieses unverwechselbare ozeanblaue Leuchten …

weiter in: Hängen im Schacht

Der Autor:
Erwin Kohl
, geboren in Alpen am Niederrhein, ist durch Nebentätigkeiten als Taxifahrer, Friedhofsgärtner und Partnervermittler mit den Abgründen der menschlichen Psyche vertraut. Als Ausgleich zur eher spannungsarmen Tätigkeit als Beamter schrieb er 2002 seinen ersten Roman, es folgten bislang sechs Krimis, zuletzt »Die Motte« (2009)

Dienstag, 8. September 2009

Klaus Stickelbroeck:
Grüne Augen

Tatort: Duisburg-Marxloh

Jetzt halte ich diese Karte in meinen Fingern. Schwarze Schrift auf weißem Grund. Mit einem entsprechenden Symbol, das den Inhalt andeutet. Edles Papier, geschnörkelte Schrift.
Das macht es nicht besser.
Es gibt diese wundervollen, bis ins Kleinste durchdachten Pläne, die sich so richtig gut anlassen. Und dann kommt es am Ende immer doch ganz anders!
***
Roosen knallte den Hörer auf den Apparat.
»Bingo! Ich habe einen Tipp bekommen. Der Tscheche ist da. Ohne seine Gorillas. Nur er alleine, mit einer Blonden, die nicht besonders viel an hat.«
Rocks faltete ohne eine Miene zu verziehen die Zeitung zusammen. Geräuschlos. Becker, der Leiter unserer Ermittlungskommission, zerquetschte eine halb aufgerauchte Kippe im Ascher.
»Wo?«, knurrte er.
»In einem Hochhaus. Weseler Straße. Marxloh.«
»Wie sicher ist dein Informant?«
»Neunzig Prozent.«
Das war mehr als genug.
»Na gut!« Becker stand auf. Action!
Es war Charly, ein blasser, hagerer Kollege, uns vom Landeskriminalamt Düsseldorf zugeteilt, der als einziger Bedenken äußerte. »Was ist mit einem Spezialeinsatzkommando? Der Kerl könnte bewaffnet sein.«
»Könnte…«, schnaufte Becker. »Natürlich ist der Typ bewaffnet! Das Schwein hat an der Grenze zwei holländische Kollegen umgenietet. Das ist eine abgezockte Sau, hundert Pro dass der was zum Schießen dabeihat. Der riecht das SEK zehn Kilometer gegen den Smog. Wenn wir nicht hin machen, ist der schneller weg, als wir gucken können. Wir bilden zwei Teams. Roosen, Rocks und ich machen den Zugriff, Charly und Chris sichern. Auf gehts!«
Chris, das bin übrigens ich. Der Jüngste in der Truppe. Deswegen hielt ich mich mit Vorschlägen zurück.
Obwohl ich da schon einige gehabt hätte.

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weitere Krimis aus Duisburg:
Niklaus Schmid: »Entenfang«
Hartmut Mechtel: »Dienstbesprechung«

Der Autor:
Klaus Stickelbroeck, 1963 in Anrath geboren, lebt in Kerken am Niederrhein und arbeitet als Polizeibeamter in Düsseldorf. Seinen ersten Kurzkrimi veröffentlichte er im Jahr 2000. Es folgte 2007 sein erster Roman »Fieses Foul«. Zuletzt erschien »Kalte Blicke« (2008). Gemeinsam mit den Düsseldorfer »Krimi-Cops« schrieb er außerdem die Krimis »Stückwerk« (2007) und »Teufelshaken« (2009).

Montag, 7. September 2009

Hartmut Mechtel:
Dienstbesprechung

Tatort: Duisburg, Landschaftspark Nord

»Das ist kein Fall für den Staatsschutz«, sagte Koslowski.
»Eine gewagte Hypothese«, erwiderte Damberg.
»Nicht wenn ich ihn gelöst habe.«
»Sie haben ihn gelöst?«
»Noch nicht, aber …«
»Na also!«
»Sprechen wir drüber.«
»Ihr erster vernünftiger Satz.«
Die beiden saßen sich im Büro des Ersten Kriminalhauptkommissars Koslowski an dessen Schreibtisch im Duisburger Präsidum an der Düsseldorfer Straße gegenüber, was Koslowski als durchaus passende Kulisse für ihre Begegnung empfand. Immerhin hatte ihn Damberg aufgesucht, als ihm der Fall übertragen worden war. Weniger aus Höflichkeit - die gab es zwischen ihnen nicht - als vielmehr um das Material, das Koslowski bisher gesammelt hatte, ohne Verluste an sich zu bringen.
»Beginnen wir mit dem Videofilm«, sagte Koslowski. »Der zeigt deutlicher als unsere Fotos, worum es hier geht.«
»Ein Film?«
»Heute morgen um vier Uhr machte sich der Ingenieur Peter Böhmer auf den Weg in den Landschaftspark Nord, um bei Sonnenaufgang die Natur abzulichten. Vermutlich war er der erste Besucher, es gibt ja keinen Einlass, und er selber hat niemanden gesehen, bis er uns anrief. Er kennt sich gut aus, er liebt den Park, der schönste Ort in Duisburg, sagt er. Im Morgengrauen war er in der Wildnis auf Posten und schoss mit seiner Digicam die ersten Aufnahmen.«
Koslowski drehte den Flatscreen zur Seite, so dass beide ihn betrachten konnten, und startete den Film mit einem Mausklick. In der Erwartung, den Täter präsentiert zu bekommen, schaute Damberg auf den Monitor.

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weitere Krimis aus Duisburg:
Niklaus Schmid: »Entenfang«
Klaus Stickelbroeck: »Grüne Augen«


Der Autor:
Hartmut Mechtel
, geboren 1949 in Potsdam, studierte Journalistik in Leipzig, war Redakteur der »Freien Erde« in Mecklenburg und seit 1978 Autor und freier Theater- und Literaturkritiker für Zeitung und Hörfunk. Er gehörte zu den Gründern ersten und lange Zeit einzigen freien Theatergruppe der DDR (theater Zinnober) und trat auch als Schauspieler auf. Als Autor schreibt er Romane, Erzählungen, Dokumentationen, Fernsehspiele, Stücke, Hörspiele und Essays. 1997 erhielt er für seinen Thriller »Der unsichtbare Zweite« den Friedrich-Glauser-Preis, und 2001 wurde er für seine »Martin-Parr-Trilogie« mit dem Berliner »Krimifuchs« ausgezeichnet.

Samstag, 5. September 2009

Wolfgang Kemmer:
Rheingold

Tatort: Bochum-Dahlhausen, S-Bahn-Haltepunkt

All die Jahre hatte Endrulat wie die Spinne im Netz gesessen und gewartet. Nun waren sie endlich da. Sie waren alle drei zusammen gekommen, in einem weinroten Opel Vectra, der offenbar Eisele gehörte. Zumindest war Eisele gefahren.
Früher oder später mussten sie kommen, das hatte Endrulat immer gewusst. Die kleinen Artikel über seine Lesungs- und Musik-Abende, die von Zeit zu Zeit in der WAZ und auf derwesten.de erschienen, konnten ihre Wirkung einfach nicht verfehlen. Und selbst wenn ihnen die Artikel entgangen waren, mussten sie doch auf eine der Werbeanzeigen stoßen. Dafür sorgte allein schon der fett gedruckte Name »Rheingold«, der ihnen sicher ihr Lebtag nicht mehr aus dem Kopf gehen würde.
Nicht umsonst hatte Endrulat den Bahnhof in Dahlhausen als Ort seiner Vergeltung gewählt. Hier lag das Eisenbahnmuseum in der Nähe, was ihm nicht nur das Interesse der Ausflügler sicherte, sondern auch den Kontakt zu all den Tüftlern und Bastlern dort, die ihm bei Bedarf gern zur Hand gingen. Hierher hatte er den ausrangierten Salon-Wagen schleppen lassen auf die stillgelegten Gleise hinter dem hübsch renovierten alten Bahnhofsgebäude, in dem Emilia ihre Kneipe eröffnet hatte.
Hier in der vorstädtischen Beschaulichkeit von Bochum-Dahlhausen war Endrulat nach und nach über den Verrat und den Verlust seiner Jugend hinweggekommen, denn hier hatte er das Netz gesponnen, in dem er die Verräter fangen und richten würde.
Er hatte den roten Vectra vorn auf dem Parkplatz erst gesehen, als sie ausgestiegen waren, deshalb konnte er nicht sagen, ob sie aus Bochum gekommen waren oder über die Kassenberger Straße von Eppendorf herunter. Brückner und Eisele hatten sich kaum verändert. Beide waren ein wenig in die Breite gegangen, Eiseles Haare waren etwas spärlicher und Brückners einst pechschwarze Locken leicht angegraut, ansonsten schienen mehr als zwei Jahrzehnte fast spurlos an ihnen vorüber gegangen zu sein. Nur Jähnig sah aus wie der leibhaftige Tod.

weiter in: Hängen im Schacht

weitere Stories aus Bochum:
Henrike Heiland: Bullets over Bochum
Volker W. Degener: An diesem Montag kam er nicht
Jürgen Banscherus: Kalt
Tatjana Kruse: Wattenscheider Wahn

Der Autor:
Wolfgang Kemmer
, geboren 1966 in Simmern / Hunsrück, studierte Germanistik, Anglistik und Angloamerikanischen Geschichte in Köln und schrieb seine Abschlussarbeit über »Die produktive Rezeption der amerikanischen hard-boiled school im deutschen Kriminalroman«. Er arbeitete als Lektor und ist heute freier Autor und Redakteur. Als Autor veröffentlichte er zuletzt den historischen Kriminalroman »Feuersbrunst« und als Herausgeber die Sammlung »In Kürze verstorben«.

Freitag, 4. September 2009

Conny Lens:
… dann hätte ich wenigstens was davon gehabt

Tatort: Dortmund

Hier kam keiner hin. Nicht mal die Junkies, die immer an der S-Bahn rumhingen. Die Hohlaugen mit den zittrigen Fingern. Warum lange Wege? Die setzten sich ihren Schuss direkt in der Unterführung, sogar wenn Leute vorbei gingen. Nicht mal Liebespärchen kamen her, abends in ihren Astras oder Polos, für die schnelle Liegesitznummer. Bei den vielen kaputten Flaschen, die hier rumlagen, da ist so'n Reifen schnell im Arsch. Nicht mal Rentner mit kackenden Kötern, zu weit weg von der Hochhaussiedlung. Hier kamen nur Jannik und Moritz hin, weil sie sieben waren und beste Freunde und ihre Mütter nicht wollten, dass sie sich da rumtrieben. Moritz sah die Frau zuerst. Sie lag halb in einem Strauch, das Gesicht blau angelaufen, den Rock bis zum Hals hochgeschoben. Jannik kotzte, wo er stand.
***
Die halbe Siedlung kam hin. Jedenfalls so nah, wie die Absperrbänder reichten, an denen zwei Bullen standen und auf hart machten. Weiter hinten standen Streifenwagen und ein Kombi, und noch weiter hinten sah man Leute in so weißen Schutzanzügen, wie im Fernsehen. Richtig erkennen konnte man nichts. Nur hören, was sich inzwischen rumgesprochen hatte. Dass es die Savelsberg wäre, die Michaela. »Kennst du doch. So 'ne schmale. Die Mutter hatte früher den Friseursalon an der Mallinckrodtstrasse.« Vergewaltigt und erwürgt.
***
Vergewaltigt und erdrosselt, mit der eigenen Strumpfhose, hieß es abends im Deutschen Haus. »Erwürgt ist nämlich, wenn du nur die Hände nimmst«, meinte Hännes Plaßmann und kuckte wichtig. Weil, sein Nachbar, der Werner Schabulek hatte doch einen Bruder bei der Polizei. Und der wusste das. »Das Schwein sollten sie aufhängen. Aufhängen und vorher die Eier abschneiden, ist doch wahr.«

weiter in: Hängen im Schacht

andere Stories aus Dortmund:
Jacques Berndorf »Kowalski«
Nina George: »Die Ballade von Bonnies Kleid«

Der Autor:
Conny Lens, geboren 1951 in Essen, war EDV-Angestellter und ist seit jeher der Kriminalliteratur verfallen. Er veröffentlichte die erfolgreiche Krimiserie »Steeler Straße« mit dem Essener Privatschnüffler Wolli Schröder, schrieb zahlreiche Hörspiele und ist seit einigen Jahren Drehbuchautor - unter anderem für den ZDF-Serienklassiker »SOKO 5113«.

Dienstag, 1. September 2009

Jürgen Banscherus:
Kalt

Tatort: Bochum, nahe Haus Kemnade

Ein Winter wie ewig nicht mehr. Seit Wochen liegt das Ruhrgebiet unter einer dichten Schneedecke. Tagsüber steigt das Thermometer nicht über Null, nachts fegt der Ostwind über leere Autobahnen. Die Streudienste fahren Sonderschichten, die Kraftwerke arbeiten am Limit. Wer nicht unbedingt hinaus muss, tut gut daran, zu Hause zu bleiben.
Der Hauser spürt seine Füße kaum mehr, die bloßen Hände sind steifgefroren. Verdammt kalt, denkt er. Niemand sollte bei zehn Grad unter Null in einem Rohbau ohne Türen und Fenster liegen. Da holst du dir den Tod.
Wobei, geht es dem Hauser durch den Kopf, während er hört, wie sich ein Auto durch den Schneematsch den Berg hinauf kämpft, der Satz eigentlich nicht stimmt. Eigentlich ist es umgekehrt. Der Tod holt dich. In einem Haus ohne Fenster und Türen hat er leichtes Spiel.
Der Rohbau steht zwischen Kemnader und Ümminger See auf einer Kuhweide oberhalb eines Bachlaufs. Der Bach ist zugefroren, der Hauser hat ihn gestern fotografiert, ein schönes Bild. Die Sonne schien, der über Weihnachten gefallene Schnee knirschte Gänsehaut auf Arme und Rücken.
Der Hauser hat auch Bilder vom Rohbau gemacht, dem glotzäugigen Kasten, dem dreimal verfluchten. Hat ihn wie so oft eingefangen in seiner jeden Rahmen sprengenden Hässlichkeit. Ein Faustschlag ins Auge der Natur.
Verdammt kalt, denkt der Hauser. Schon wieder. Irgendwann wird er nichts anderes mehr denken können als diese bei den Wörter. Dann hat der Sommer endgültig gewonnen, das Dreckschwein, das elende.
Der Hauser versucht sich zu bewegen. Dreht sich ein paar Zentimeter von der unverputzten Wand weg. Die Handgelenke und Füße haben sie ihm mit demselben silbernen Klebeband gefesselt, mit dem sie ihm auch Mund und Augen verschlossen haben. Er hat die Fesseln zu zerreißen versucht, stundenlang hat er gekämpft, ohne Erfolg. ...
Das Weideland, auf das früher die Kühe eines Bauern aus der Nähe des Golfplatzes Lottental getrieben wurden, gehört jetzt dem Sommer. Seit langem will der Kerl es aufteilen und die Parzellen an Bauwillige verkaufen, will die Fläche mitten im Naherholungsgebiet zwischen Hattingen, Witten und Bochum zu Geld machen. Von zwanzig Millionen sprechen die Leute, einige sogar von dreißig.


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Der Autor:
Jürgen Banscherus
, geboren 1949, war unter anderem Journalist, Mitarbeiter in der Forschung, Lehrer und Verlagslektor, ehe er freier Schriftsteller wurde. In den letzten 25 Jahren veröffentlichte er zahlreiche Kinder und Jugendbücher, für die er unter anderem mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet(1997), dem Berliner Kinderkrimipreis EMIL (2001) und dem Hansjörg Martin-Preis (2006) ausgezeichnet wurde. Seine bekannteste Figur ist der kaugummikauende und Milch trinkende Detektiv Kwiatkowski.

Volker König:
Kirchgang

Tatort: Bottrop

»Ich habe doch alle Lichter gelöscht, Kätchen?«
Natürlich hat er das, obwohl ihr gerade heute nicht danach zumute war; sie hätte lieber den Lichterbogen im Fenster leuchten lassen, denn dann konnten die Nachbarn zumindest glauben, dass ihre Wohnung auch heute belebt ist.
Wenn er sie doch nicht immer Kätchen nennen würde. Sie fühlt sich dann klein, weil auch ihre Mutter sie so genannt hatte. Löwen werden zu Kätzchen, wenn man es ihnen nur oft genug sagt. Dabei weiß sie, dass er eigentlich nicht sie meint. Er sagt es, weil er glaubt, es gehöre dazu.
»Ich finde, so ein Spaziergang nach fettem Essen tut gut.«
Er liebt fettes Essen. Die Gans, für die sie stundenlang in der Küche gestanden hatte, hatte er sich in seinen breiten Mund geschaufelt. Ohne ein Wort, ohne eine Geste, nur gierig, dazu mit einem Auge beim Fernseher, der ihnen Weihnachtsklänge in die Stube trug. Auch die liebt er. Weihnachtsklänge. Weiß der Himmel warum ausgerechnet die.
Danach seine Leberkapseln, die sie wie immer für ihn bereitgehalten hat. Auch die hatte er gierig und hastig hineingeworfen. Ohne die würde er das fette Essen nicht vertragen. Ohne die würde sein Blutdruck zu stark ansteigen. Ohne die würde er gar nicht mehr leben.
Sie zieht sich den Schal enger um den Hals und vergräbt ihre Hände samt Handschuhen in den Manteltaschen. So folgt sie ihm, etwas versetzt, mit ein wenig Abstand, mühsam.
Denn er schreitet kräftig aus, macht viel größere Schritte als sie und merkt so nicht, wie sie zurückfällt. Bald wird er irgendwo stehen bleiben, dann kann sie aufschließen, aber darauf wartet er nicht. Er läuft immer schon weiter, wenn sie ihn fast erreicht hat.
Es kommt ihr oft vor, als sei er ein großer Hund, der seinem Herrchen vorausläuft, bis er etwas Interessantes gefunden hat, um es zu beschnuppern. Aber sie ist nicht sein Herrchen. Sie ist nur seine Frau. Für ihn ist sie der Hund.

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Der Autor: Volker König, geboren 1965 in Dortmund, ist Diplom-Biologe und Autor. 2007 veröffentlichte er mit »Tantenfieber« die spannende und skurrile Geschichte eines extrem kurzsichtigen Spießers, sowie seinen Erzählband »Dicke Enden«. Zuletzt erschien von ihm die Novelle »Die Farbe des Kraken« (2009).