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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Tatort Duisburg:
Detektive und Polizisten ermitteln
in Wedau und Marxloh

Storysammlung bringt drei Krimis aus Duisburg

»Bestimmt hatten mich schon die Überwachungskameras der Duisburger Haftanstalt erfasst«, überlegt Privatdetektiv Elmar Mogge, als er an der Landgerichtsstraße auf die Entlassung eines Kunstdiebes wartet. So beginnt die Kriminalstory »Entenfang« des Duisburger Autors Niklaus Schmidt - nachzulesen in der aktuellen Sammlung von Ruhrgebietskrimis mit dem beziehungsreichen Titel »Hängen im Schacht«.

Gleich dreimal ist Duisburg als Schauplatz vertreten. Klaus Stickelbroeck siedelt seine knallharte Polizeigeschichte »Grüne Augen« in Duisburg-Marxloh an. Hartmut Mechtel erzählt in »Dienstbesprechung« davon, wie sich zwei Polizisten über den Mord an einer Landtagsabgeordneten den Kopf zerbrechen, die erhängt im Landschaftspark Nord gefunden wird.

Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und skurril-komische Krimis von ausgewiesenen Profis der mörderisch guten Unterhaltung. Anfangen von Krimi-Altmeister Jacques Berndorf bis hin Edda und Lotte Minck, den aktuellen Stars des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben.

Angeheuert wurden sie zum »Hängen im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Fahrkorb feststeckt und man sich unverschuldet in einer ausweglosen Situation befindet - dann ist eben 'Hängen im Schacht'«, erklärt H.P. Karr. »Und dann liegen sofort Mord und Totschlag in der Luft - die perfekte Ausgangssituation für eine Kriminalgeschichte.«

Herausgekommen dabei ein »Mordsbrevier fürs Mordsrevier«, das für den Krimifreund etwas bieten - Mordgeschichten von hart bis zart, intensive Psycho-Studien und natürlich auch Stories, in denen der revier-typische Humor zum Zuge kommt, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.

Leseproben:
Niklaus Schmid: »Entenfang«
Klaus Stickelbroeck: »Grüne Augen«
Hartmut Mechtel: »Dienstbesprechung«


H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Mittwoch, 9. September 2009

Niklaus Schmid:
Entenfang

Tatort: Duisburg-Wedau

Kunst, Kultur - wenn mir jemand damit kommt, lege ich sofort auf. Eigentlich. Doch diesmal, ich war knapp bei Kasse, hatte ich es nicht getan. Und deshalb stand ich jetzt im Schatten der Sparkasse an der Landgerichtsstraße und beobachtete den Eingang des alten Backsteingebäudes auf der anderen Straßenseite.
Langsam wurde ich nervös.
Bestimmt hatten mich schon die Überwachungskameras der Duisburger Haftanstalt und auch die der Sparkasse erfasst. Als ich mich anschickte, meinen Posten zu verlassen, öffnete sich die Tür neben dem großen Stahltor vor der Gefängnisschleuse.
Ein Mann trat ins Sonnenlicht, blinzelte, straffte die Schultern und nickte zufrieden.
Er war es.
»Max Rogalla«, hatte Wegener von der »Prosegura Assekuranz« gesagt und mir ein Foto gegeben. »Seine Strafe hat er in Werl abgebrummt, wird morgen aber aus der Duisburger JVA entlassen.«
»Wieso Duisburg?«
»Da war noch ein Fall anhängig. Doch jetzt wird er auf Bewährung entlassen.«
»Und warum hat er gesessen?«
»Kunstdiebstahl. Fünf Jahre.«
»Ziemlich lang.«
»Kunstdiebstahl mit Todesfolge. Als er mit dem Bild unterm Arm die Stauffer-Villa verlassen wollte, stand ihm ein Wachmann im Weg. Rogalla hat ihm mit demselben Messer, mit dem er zuvor die Leinwand aus dem Rahmen geschnitten hatte, die Halsschlagader aufgeschlitzt. Der Verteidiger hat auf fahrlässige Tötung plädiert und ist damit durchgekommen, sonst hätte Rogalla sicher noch ein paar Jährchen länger sitzen müssen. Angeblich hat er das Bild bei der Flucht verloren. Doch wir sind sicher, dass er den Kirchner versteckt hat.«
»Den Kirchner?«
»Ernst Ludwig Kirchner, Künstlervereinigung Die Brücke. Das gestohlene Bild war bei uns mit knapp einer halben Million versichert.«

weiter in: Hängen im Schacht

weitere Krimis aus Duisburg:
Klaus Stickelbroeck: »Grüne Augen«
Hartmut Mechtel: »Dienstbesprechung«

Der Autor:
Niklaus Schmid, geboren 1942 in Duisburg, tourte mit achtzehn mit dem Zirkus Althoff durch Frankreich und Schweden, mit dreißig reiste er durch Indien, Afrika und Südamerika. Seit 1978 lebt er als freier Schriftsteller in Duisburg und auf Formentera. Zuletzt erschienen von Niklaus Schmid die Elmar-Mogge-Krimis »Der Hundeknochen«, »Bienenfresser« und »Stelzvogel und Salzleiche«.