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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Krimi-Tatort Wuppertal:
Mörderischer Kampf um die "Wupper-Stradivari"

Revierkrimi-Sammlung bietet spannende Unterhaltung

"Wie lange hatte er auf diesen Auftritt hingearbeitet " heißt es in der Kriminalstory "Die Wupper-Stradivari" von Oliver Buslau. "Die Historische Wuppertaler Stadthalle war eines der schönsten Konzertgebäude, das man sich vorstellen konnte."

Aber im letzten Moment muss Starviolinist André Haberkorn entdecken, dass man ihm sein wertvolles Instrument - eben die titelgebende "Wupper-Stradivari" gestohlen hat. Und ein anonymer Anrufer verlangt von ihm: "Sei in einer Viertelstunde auf dem Brill."
Wie es weitergeht und ob die Geschichte womöglich mit einem Mord endet, ist nachzulesen in dem mit viel musikalischem Sachverstand und Blick fürs Lokalkolorit erzählten Wuppertal-Krimi von Oliver Buslau aus der aktuellen Sammlung von Ruhrgebietskrimis mit dem beziehungsreichen Titel "Hängen im Schacht", die von Herausgeber H.P. Karr zusammengestellt wurde.

Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und gelegentlich auch skurril-komische Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis der mörderisch guten Unterhaltung. Anfangen von Krimi-Altmeister Jacques Berndorf bis hin Edda und Lotte Minck, den aktuellen Stars des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben. Angeheuert wurden sie zum "Hängen im Schacht" von Herausgeber H.P. Karr.

"Wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Fahrkorb feststeckt und man sich unverschuldet in einer ausweglosen Situation befindet - dann ist eben 'Hängen im Schacht'", erklärt H.P. Karr. "Und dann liegen sofort Mord und Totschlag in der Luft - die perfekte Ausgangssituation für eine Kriminalgeschichte."

Herausgekommen dabei ein "Mordsbrevier fürs Mordsrevier", das für den Krimifreund etwas bietet - Mordgeschichten von hart bis zart, und natürlich auch Stories, in denen der revier-typische Humor zum Zuge kommt, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.

Leseprobe:
Die Wupper-Stradivari


H.P. Karr (Hg)
Hängen im Schacht
Das Mordsbrevier fürs Mordsrevier
KBV-Verlag, 260 Seiten
ISBN 978-3-940077-67-7

Montag, 14. September 2009

Oliver Buslau:
Die Wupper-Stradivari

Tatort: Wuppertal, Stadthalle

Als André in die Garderobe zurückkehrte, leuchtete ihm die blutrote, sanft geschwungene Samtaussparung des Geigenkastens wie eine offene Wunde entgegen. Ein Schock durchfuhr ihn, sein Herz hämmerte ein wildes Stakkato. Er war nur für einen Moment auf die Bühne gegangen, hatte kurz mit dem Konzertmeister den Soloeinsatz besprochen …
Die Violine war verschwunden. Seine Wupper-Stradivari. Sie war gestohlen worden. Eine andere Erklärung gab es nicht.
André brach der Schweiß aus. Vielleicht war der Täter noch in der Stadthalle. Er musste zum Pförtner. Alles abriegeln lassen. Die Polizei verständigen.
Im selben Moment setzte bombastische Musik ein. Eine dramatische Stelle aus dem Violinkonzert von Johannes Brahms. Andrés Handy-Klingelton.
Er drückte den Knopf, während er hinaus auf den Flur stolperte. Der Hausmeister saß sicher in seiner Loge am Bühneneingang. Er hastete über den Gang, das Handy am Ohr. »Ja, was?«
»André, wie schön, dass du rangehst.«
»Ich habe jetzt keine …«
Er stolperte um die die Ecke. Die Loge war leer.
»Du vermisst etwas, oder?«
Das Blut pulste in seinen Adern und sorgte für ein hämmerndes Echo in seinen Ohren.
Die Stimme. Er kannte sie. Es war lange her …
»Sei in einer Viertelstunde auf dem Brill.«
Was war das? André lehnte sich an die Wand und schloss die Augen. Er musste sich konzentrieren.
»Was… wollen Sie Geld?«
»Geld?« Die Stimme brach in keuchendes Lachen aus. »Geld … oh, André. Dass ihr jungen Leute immer nur daran denken könnt!«
»Was wollen Sie dann?«
»Sei pünktlich.«
»Hallo? «
Der andere hatte aufgelegt.

weiter in: Hängen im Schacht

Der Autor: Oliver Buslau, geboren 1962 in Gießen, studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Köln und Wien und lebt als freier Redakteur und Autor in Bergisch Gladbach. Im Mittelpunkt von sechs der neun Kriminalromane, die er bisher veröffentlichte, steht der chronisch abgebrannte bergische Privatschnüffler Remigius Rott. Zuletzt erschien »Die fünfte Pasion« (2009)
Foto: Felix Mayr